JüL

Unterricht & JüL

Kinder unterscheiden sich in ihrer Entwicklung und ihrem Lernstand sehr, selbst wenn sie im selben Jahr geboren sind. Unterricht in reinen Jahrgangsklassen stößt da schnell an Grenzen. Das jahrgangsübergreifende Lernen, kurz JüL, nimmt diese Verschiedenheit zum Ausgangspunkt: In jeder Lerngruppe lernen Kinder aus drei Jahrgängen gemeinsam und voneinander, jedes mit den Materialien, die zu ihm passen.

„Gemeinsam lernen, so individuell wie du und ich“

Zwei Kinder sitzen nebeneinander am Klavier, von hinten fotografiert.

Wie JüL bei uns funktioniert

An der Relli lernen die Kinder seit 2004 in jahrgangsgemischten Lerngruppen. Alle Unterrichtsmaterialien und -einheiten und unser schulinternes Curriculum sind auf die Jahrgangsmischung ausgerichtet. Aktuell haben wir neun Lerngruppen in der Grundstufe (Jahrgänge 1 bis 3) und sieben in der Unterstufe (Jahrgänge 4 bis 6). Jede Lerngruppe besteht aus 23 Kindern.

In den Lerngruppen arbeiten die Kinder an unterschiedlichen Materialien, in ihrem Tempo und auf ihrem Niveau. Erfahrene Kinder geben ihr Wissen an neue und jüngere weiter. Und wer etwas wirklich verstanden hat, kann es erklären.

Grundstufe: Jahrgang 1 bis 3

In jeder Lerngruppe der Grundstufe ist etwa ein Drittel der Kinder neu eingeschult. Die älteren Kinder kennen die Abläufe bereits und helfen den Kindern aus Jahrgang 1 als Paten beim Ankommen. So finden sich die Schulanfänger:innen schnell im Schulalltag zurecht.

Rechenaufgabe 1 plus 5 gleich 6 aus Holzziffern, daneben Zählmaterial.

So sieht der Unterricht aus

Der Unterricht beginnt in der Regel mit einem gemeinsamen Kreisgespräch zu einem Thema. Es ist so aufgebaut, dass Kinder aus allen drei Jahrgängen etwas beitragen und mitnehmen können. Danach arbeiten die Kinder an den passenden Checklisten weiter, jedes auf seinem Stand. Damit niemand unter- oder überfordert wird, gibt es die Aufgaben in verschiedenen Niveaustufen. Ein Kind aus Jahrgang 1 und ein Kind aus Jahrgang 3 sitzen am selben Gruppentisch, arbeiten aber auf ihrem jeweiligen Stand.

In Deutsch, Mathematik und Englisch gibt es für neue Themen zusätzlich Einführungen in Kleingruppen. Außerdem gibt es die Arbeitszeit: Hier entscheiden die Kinder selbst, an welcher ihrer Checklisten sie weiterarbeiten.

Weil der Unterricht an unserer Ganztagsschule über den Tag verteilt ist, gibt es keine Hausaufgaben. Übungs- und Wiederholungsphasen sind in den Schultag eingebaut.

Das Logbuch

Mit der Einschulung bekommt jedes Kind an der Relli ein eigenes Logbuch. Es begleitet die Kinder von der Vorschulklasse bis zum Jahrgang 6 und hilft ihnen, ihr Lernen zu organisieren. Im Logbuch der jüngeren Kinder finden sich Arbeitskarten und Checklisten der einzelnen Fächer. Damit planen die Kinder ihr Lernen Schritt für Schritt immer selbstständiger, in der Grundstufe in einem Umfang, der zu ihrem Alter passt.

Jede Woche denken die Kinder im Logbuch über ihr Lernen nach: Was habe ich gelernt oder herausgefunden? Was hat mir Freude gemacht? Habe ich jemandem helfen können? Die älteren Kinder schreiben außerdem auf, was in der kommenden Woche wichtig ist. Die Reflexionen bringen die Kinder mit nach Hause. So ist das Logbuch auch eine Grundlage für den Austausch zwischen Kind, Lehrkräften und Eltern.

Viele Kinderhände liegen in der Mitte übereinander.

Unterstufe: Jahrgang 4 bis 6

Nach der Grundstufe wechseln die Kinder in eine Lerngruppe der Unterstufe. Die vertraute Umgebung bleibt, gleichzeitig wachsen die Anforderungen und die Verantwortung. Wie in der Grundstufe ist jedes Jahr etwa ein Drittel der Kinder neu, die anderen kennen sich schon gut aus. Die Kinder steuern ihr Lernen zunehmend selbst, eng begleitet vom pädagogischen Team der Lerngruppe.

In Jahrgang 4 lernen die Kinder nach dem Bildungsplan der Grundschule, in den Jahrgängen 5 und 6 nach den Bildungsplänen des Gymnasiums und der Stadtteilschule. Durch das längere gemeinsame Lernen können sich die Anforderungen nach den Möglichkeiten des Kindes richten. Ein Kind kann zum Beispiel in Mathematik schon auf dem erhöhten Niveau des Gymnasiums arbeiten, in Deutsch aber noch auf dem grundlegenden Niveau. Im Laufe von Jahrgang 6 können wir dann gut beraten, welche Schulform und welches Niveau ab Klasse 7 passen.

Lernen in Projekten

In der Unterstufe nimmt das Fach Projekt zehn bis zwölf Wochenstunden ein. Hier verbinden sich Gesellschafts- und Naturwissenschaften, Religion und zum Teil auch Kunst und Deutsch. Ein Projekt erstreckt sich über mehrere Wochen und endet mit einer Präsentation, einem Produkt, einem Fest oder einer Veranstaltung.

Ein Höhepunkt ist der jährliche Präsentationsnachmittag für die ganze Schulgemeinschaft: Die Kinder zeigen sich als Expert:innen eines Themas, halten Präsentationen und führen Theaterstücke auf. Alle Lerngruppen geben Einblick in Unterrichtseinheiten oder Projekte.

Zwei Kinder bauen mit Holzklötzen eine große Stadt.

Zweite Fremdsprache

Ab Jahrgang 6 können unsere Schüler:innen eine zweite Fremdsprache wählen: Französisch oder Spanisch. Fachkräfte unserer Kooperationsschulen unterrichten sie nach dem Bildungsplan des Gymnasiums. So können die Kinder ihre Sprache beim Wechsel ans Gymnasium oder an den gymnasialen Zweig einer Campusschule nahtlos fortführen. Die zweite Fremdsprache gehört zum Wahlpflichtunterricht.

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